Der Weg nach Island

 

Bevor ich wirklich nach Island umsiedelte, besuchte ich die Insel natürlich sehr oft. Zu allen möglichen Jahreszeiten und an unterschiedlichen Plätzen. Auch wurden die Auf-enthalte immer länger. Mal nur 3 Tage, dann wieder 14 Tage, dann steigerte ich mich auf 5 Wochen, 3 Monate und 1 Jahr. 

Logisch, von Anfang an war ich das Land mit der grandiosen Landschaft und dem rauen und stürmischen Wetter verliebt, doch je länger ich blieb, desto kritischer wurde ich und Ende 2016 war ich dann sogar soweit, das ich froh war wieder meine Sachen zu packen und nach Deutschland zurückzukehren.

Doch es kam dann doch anders als man denkt.

 

 

Im Schnelldurchlauf ab 2015

Herbst/Winter 2015

 

Juhu, mit meinem eigenen Wagen auf Island!

Ich fühlte mich großartig!

 

Und man muss sich so fühlen, wenn man etwas wagt. Mit Ängstlichkeit und Zaghaftigheit kommt man bei solch einem Unternehmen nicht weit. Erst einmal mit Volldampf voraus und um die Probleme kümmerte ich mich, wenn sie auf-tauchen.

 

Es ging über die Nordroute gegen Süden, wo ich erst einmal zwei Wochen in einem gemütlichen Sommerhäuschen mich an das Klima gewöhnte. Es war wie Urlaub machen, nur dass ich nicht zurück musste. Das war ein neues und eigenartiges Gefühl, was ich bislang noch nicht kannte.

Doch in dieser Zeit ging es auch darum, ob ich mir wirklich vorstellen konnte hier zu bleiben und ob ich meine Wohnung in Deutschland nun auflöse oder nicht. Noch stand mir dies bevor und ich hatte mir selbst 8 Wochen Zeit gegeben um diese Frage zu beantworten. So nahm ich ganz bewusst wahr, was um mich herum geschieht und wie ich mich fühle.

Winter/Frühjahr 2016

Die Entscheidung war gefallen, ich löste in einer Wahnsinnsaktion meinen Hausstand in Deutschland auf. Alles was nicht verkauft wurde, fand seinen Platz in einem Zeitlager. Jetzt gab ich mir ein Jahr um herauszufinden, ob ich wirklich mir ein neues Zuhause auf Island aufbau. Und so landete ich Anfang Februar bei einem fürchterlichen Schneesturm in Keflavik.

Meine Nerven waren kurz vor dem Zerreißen, denn wie gesagt, es stürmte, schneite und ich hatte keine Ahnung wie es meinem Auto erging und ob es noch heil ist. Ich rechnete mit dem Schlimmsten, doch es kam ganz anders. Meine Freunde von der Autovermietung, bei denen ich mein Auto abstellen darf, hatten es in die große Halle gefahren. Somit war es frei von Eis, es war warm und in Ordnung. Die einzige Überraschung welche ich hatte war die, dass ich jetzt einen Mitfahrer hatte - eine Maus!

dann ab in den Osten für 6 Wochen

So idyllisch das auch aussehen mag, es war auch so. Doch ... 6 Wochen in dieser Idylle, die dieses Mal sehr einsam war, ist eine Herausforderung für sich. Da sagte ich mir, "Barbara, die anderen zahlen einen Haufen Geld und gehen ins Kloster auf einen Retreat, du machst es hier auf Island. Ich sag nur eines, es ist Hardcore! Ohne mein Tagebuch wäre da nichts gegangen. Aber ich hab's ohne großen Schaden an Geist und Körper überlebt. Und nun stand der Aufenthalt auf der Farm an. :)

7 Wochen auf der Schaffarm

Genial! Eine absolut geniale Zeit, wenn auch hart! Aber das macht ja nichts. Es ging schon mal los, dass ich nur noch ein 6qm großes Zimmer hatte und ansonsten mit den Farmern und deren Familie im Haus lebte. Dann waren noch zwei Dänen als Helfer anwesend und zwei isländische Ureinwohner (anders kann ich die Zwei nicht benennen). Hier sammelte ich Geschichten, lernte alles mögliche und unmögliche über Schafe, wurde mit der noch immer vorherrschenden Rollenverteilung von Mann und Frau vertraut gemacht und hatte einfach nur eine schöne Zeit.

Leider hörte ich nicht auf mein Herz, welches mir ganz deutlich zu verstehen gab, dass ich nicht in den Süden gehen soll. Es rief immerzu: "Bleib hier! Du willst nicht in den Süden, du magst nicht so viel Menschen um dich haben!!", doch ich hörte nicht und wahrscheinlich wäre alles anders ausgegangen, wenn ich gehört hätte.

Das Gästehaus in Selfoss

Hier im neuen Outfit als Fräulein für's Frühstück.
Hier im neuen Outfit als Fräulein für's Frühstück.

 

 

Ja, es war schon ein Schock, von der Abgeschiedenheit im Osten, hier in den Süden, und somit in das Zentrum des Tourismus, zu wechseln (und ganz ehrlich gesagt, ich freue mich darauf wieder gen Osten zu fahren.) Doch jetzt will ich mich der Aufgabe als das Fräulein für's Frühstück stellen und mit Spaß, Freude und Elan ans Werk gehen.

 

                    

Wenn ich auch anfangs dachte, dass ich die 3 Monate schon irgendwie überstehen würde, so täuschte ich mich. Täglich läutete vor 6 Uhr der Wecker und das oft 12 Tage am Stück. Ab 7 Uhr stand ich in der Küche und bereitete das Frühstück für die bis zu 46 Gäste vor, und von da an gab es bis um 14 Uhr so gut wie keine Pause.

Ich will auf die ganzen unschönen Umstände gar nicht weiter drauf eingehen, denn es vermiest mir nur meinen Abend. Doch ich will verraten, dass ich nach 6 Wochen zusammengebrochen bin und am selben Tag "gefeuert" wurde. Zugegeben, ich war nicht ganz unschuldig an der übereilten Entlassung, doch sie rettete mein Leben und somit will ich mich nicht beklagen.

6 Wochen Freiheit :)

Nachdem ich aufgefordert wurde aus dem Wohnwagen auszuziehen, welcher zum Schluss mein Quartier im Gästehaus war, fühlte ich mich großartig - und das obwohl ich arbeits- und obdachlos war! Doch die Zeit im Gästehaus war so entsetzlich für mich gewesen, dass es nur besser werden konnte. 

Nachdem ich ordentlich gefrühstückt und alles im Wagen verstaut hatte, suchte ich einen ruhigen Platz zum Nachdenken. Und an diesem ruhigen Platz ging ich an die Umsetzung meines Planes, so kostengünstig als möglich die Zeit bis zum 28.09. zu verbringen. Dieser besagte Tag im September ist der Tag, an welchem mein Auto aus dem Land muss, ansonst gilt es den Wagen einzuführen und das ist eine sehr teure Angelegenheit.
Die erste Nacht kam ich bei Bobby unter, dann nahm ich mein Zelt unter den Arm und fuhr auf die Halbinsel Snæfellsnes. Zwei Nächte zeltete ich in Stykkíshólmer und zwei Nächte verbrachte ich in einem Hostel in Rif. Das war eine schöne Zeit, bei Traumwetter. Doch dann schlug das Wetter um und auch der Rest, denn ich stellte bestürzt fest, dass die Isländer jeden abzocken, der eine Unterkunft braucht. Fassungslos saß ich vor dem Rechner und suchte nach Lösungen. Eine davon war, dass ich beschloss den Winter über in Deutschland zu verbringen, anstatt auf Island. Also buchte ich eine Fähre Ende September und vertraute mir selbst, dass ich eine gute Lösung finden werde, die verbleibende Zeit kostengünstig zu überbrücken.

Als ich mit meiner Freunden Inga in Reykjavik telefonierte und ihr meine Geschichte erzählte, sagte sie, dass ich augenblicklich zu ihr kommen sollte. So erhielt ich Asyl in Reykjavik und lebte mit Inga und Gunnar in ihrer 3-Zimmer Wohnung. Auf dieser Weise erfuhr ich viele Dinge über das Leben auf Island, an die man sonst nicht so leicht gelangt und je mehr ich erfuhr, desto sicherer wurde ich mir, dass es das Beste für mich sei, zurück nach Deutschland zu gehen und dort meine Atlaslogiepraxis zu eröffnen.

Doch vorerst hatte ich drei wunderschöne Wochen in Reykjavik mit meinen Freunden zusammen und es war ein ganz außergewöhnliches Gefühl so einfach bei Menschen unterzukommen und ein Teil von der Gemeinschaft zu sein. 

 

Das Beste kommt am Schluß

Eine Woche bevor die Fähre von der Ostküste aus zurück nach Dänemark ablegte, fuhr ich in den Osten um meine untergestellten Habseligkeiten aufzusammeln und mich fertig für die Abreise zu machen. 

Wieder war ich auf der Schafsfarm und wieder bei Freunden. Fünf Tage bevor ich die Abfahrt war, ergab es sich, dass ich mir endlich ein Stück Land, eine altes Wasserkraftwerk und ein dazugehöriges Farmhaus ansehen konnte, welches Jónas, ein Freund der Farmer, gekauft hatte und mir das schon seit Langem zeigen wollte.

Nachdem Jónas mir alles gezeigt hatte, erzählte er mir von seiner Idee, aus dem Wohnhaus ein Gästehaus zu machen. Ich berichtete ihm von meiner Erfahrung mit Gästehäusern und auf was er zu achten hatte. Doch nach einiger Zeit fragte er mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte, ein Gästehaus aufzuziehen und zu leiten. Ich überlegte ein wenig und meinte: "Naja, ich hab eigentlich gerade nichts besseres zu tun, also warum nicht." 

Und so vereinbarten wir, dass ich im März 2017 wieder nach Island käme und wir gemeinsam das Haus auf Vordermann brächten. 

Ja und seither lebe ich auf Island.